Ein Roadbook mit Lerneinheit

Stará Pražská Cesta

„Der Böhmische Steig“

Inhaltsverzeichnis

Eckdaten

Wann & Wo
  • 30.April – 02. Mail 2026
  • Start: Görlitzer Bahnhof, ca. 09:30 Uhr
  • Ziel: Prag, nähe Hauptbahnhof am frühen Nachmittag
Kleidung
  • „feiner Abendzwirn“, neben Radkleidung noch etwas für den Abend
  • Empfehlung: lange Handschuhe und etwas Wärmendes, da im Mittelgebirge teilweise anderes Mikroklima herrscht. Frost ist Ende April keine Seltenheit
  • Regenkleidung ist obligatorisch
Ausrüstung
  • Empfehlung: geländefähiges Rad mit 45mm Reifen
  • Werkzeug & Ersatzteile für notdürftige Reparaturen (z.B. Schaltauge, Schlauch)
  • Licht & Helm
  • Kettenfett oder Wachs
Sonstiges
  • Gute Laune
  • Erlebnishunger
  • Appetit & Bierdurscht (natürlich auch alkoholfrei)

Die Route

Wir werden zwei verschiedene Längen anbieten.

Dabei liegt der Unterschied lediglich in der zweiten Etappe: Dort könnt ihr im letzten Drittel entscheiden, ob ihr noch einen zusätzlichen Schlenker fahren möchtet.

Görlitz – Praha

312 km / 337 km

3750 hm / 4250 hm

Wegbeschaffenheit

150 km / 170 km

7 km / 7 km

7 km / 8 km

148 km / 152 km

Etappe 1

Görlitz – Krásná Lípa

118 km

1700 hm

Etappe 2

Krásná Lípa – Mělník

122 km / 147 km

1800 hm / 2100 hm

Etappe 3

Mělník – Praha

72km

600 hm

Einleitung

Die Stará Pražská Cesta (oder auch Böhmer Steig) ist ein alter Handelsweg zwischen Bautzen und Prag. Die Geschichte reicht bis zum 9. Jahrhundert zurück. Dieser galt als wichtige Verbindung zwischen beiden Städten. Im Vergleich zu anderen Handelsrouten ist dieser Steig zwar ein eher kleinerer, durch unwegsames und neu erschlossenes Gelände aber nicht unbedeutender.

Lausitzer Gebirge

Das Lausitzer Gebirge stellt auf dieser Route die größte Herausforderung dar: gerade im Frühjahr oder Herbst gibt es häufiger ein großes Temperaturgefälle zwischen Berg und Tal, sowie Feuchtgebiete in der Hochebene. 

Dieses Mittelgebirge hat teilweise sehr steile Anstiege und machte in der Zeit vor der motorisierten Gesellschaft den Transport von Waren besonders schwer. Häufig schlängelten sich die Wege nicht die Berge auf und ab, sondern man nahm den kürzesten Weg herauf und auch wieder herunter. Auch wenn dieses System langsamer war, konnte man sich so besser gegen Räuber verteidigen und die Karren schonen, da es noch keine beweglichen Achsen gab. Es kann also sein, dass ihr es den Karren gleichtun und euer Fahrrad teilweise schieben müsst. 

Hohlwege

Häufig werden wir Überbleibsel sogenannter Hohlwege nutzen – das sind Wege, die durch die Nutzung immer tiefer in den Boden absacken. Durch den häufig natürlichen Ursprung konnten die Wege auch in unwegsamem Gelände entstehen. Mit dem zunehmenden Ausbau und der Erschließung von Ländereien wurden die Verläufe angepasst, da der Ursprüngliche Verlauf nicht immer der schnellste war.

Der Ausbau wurde durch Steine und Schotter voran getrieben und so entstanden auch zweispurige Hauptwege. In einigen Regionen war es durchaus möglich, dass es einen Hauptweg und einen oder mehrere Parallelweg gab, um entgegenkommendem Verkehr aus dem Weg zu gehen. Nicht selten sind daraus richtige Straßen entstanden, die heute noch genutzt werden.

Auf der tschechischen Seite kann man die alten Wege des Öfteren durch kleine Kapellen oder Schreine am Wegesrand erkennen. Diese sollten den Händlern heiligen Schutz vor Unwettern, Gefahren und Raubzügen bieten.

Transportgüter

Aus den Salinen um Halle wurde das Salz zunächst nach Bautzen transportiert und von dort als wichtiges Handelsgut weiter nach Prag befördert. Die Stará Pražská Cesta findet man in manchen Quellen als Teil der Böhmischen Salzstraße.

Des Weiteren war im Lausitzer Gebirge die Textilindustrie ein wichtiger Wirtschaftszweig. Später kam der Abbau von Gestein und teilweise Halbedelsteinen hinzu. Das Gestein findet man häufig an opulenten Bauwerken oder Statuen wie Pestsäulen.

Außerdem wurde das Böhmische Waldglas im Lausitzer Gebirge hergestellt, ein einzigartiges Glas mit einer speziellen Grünfärbung. Dieses wurde auf dem gesamten Kontinent (weiter) verarbeitet.

Burgen & Schlösser

Auf unserer Reise werden wir einige Befestigungsanlagen passieren, wie zum Beispiel Burgen, Wachtürme oder auch Schlösser, die häufig als Schutz für die Handelskarawanen dienten (gegen entsprechende Zollgebühren). Forderungen waren beispielsweise “ein Achtel vom Wagen” oder “zwei bis drei Pfennig vom Pferd”. 

Räuber & andere Gefahren

Es kam aber auch nicht selten vor, dass gierige Burgherren ungeschützten Händlern gegenüber dem Raubrittertum frönten. Später nahm diese Praktik weiter zu, denn die Ortschaften wuchsen und wurden zu Städten ernannt. Somit wurden sie autark und waren nicht mehr auf den Schutz der Burgen angewiesen.

Die Burgen, einst zum Schutz der Handelsstraßen erbaut, entwickelten sich immer mehr zur Gefahr für die Händler.

Dagegen versuchte der Sechsstädtebund (Bündnis aus sechs Städten aus der Oberlausitz) vorzugehen und belagerte Burgen oder sprach hohe Strafen und Kopfgelder aus.

Raubzüge durch Banden, Johannes Karaseck oder Andreas Zaschke waren die prominentesten Anführer, waren ebenfalls nicht selten. Schnell erbeutete Ware und Nutztiere brachten Reichtum. Die Berge im Lausitzer Gebirge boten genug Schutz und waren mit Schmugglerpfaden durchzogen.

Wilde Tiere wie Bären oder Wölfe waren eine weitere Gefahr:

Die Raubtiere des Waldes galten lange als „Ausgeburt des Bösen“. Sie wurden konsequent gejagt und bis Mitte des 19. Jahrhunderts in dieser Region komplett ausgerottet.

Der Brückenheilige

Ein weiteres Erschwernis für die Handelsroute ist das Wasser: Damit unsere Reise ohne Vorfälle über die Bühne geht und da wir häufiger Flüsse und Bäche passieren werden, werden wir stets vom Heiligen Nepomuk als Schutzpatron begleitet. Der vom Papst heilig gesprochene Brückenheilige soll allen Reisenden auf ihrem Weg Schutz bieten. Er wird uns häufig als Statue begegnen. Ab Sohland könnt ihr Ausschau nach Steinfiguren direkt an oder auf den Brücken halten.

von

Bike & Pivo
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